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Dumme, dumme Kinder

Mal abgesehen davon, dass man nur sehr wenig in der Birne haben kann, wenn man sich in einem selbst für Leute, die das ein Leben lang als Beruf machen, nur schwer zu beurteilenden Thema hinter einer 15-Jährigen (inzwischen 16) Wohlstands­tussi versammelt, die das ganz sicher nicht durchblickt, weil nicht durchblicken kann, und bisher nichts gebracht hat, außer vor einem leeren Saal ein paar Zeilen fremden Textes von einem Blatt abzulesen, und es doch sehr auffällt, dass das alles orchestriert und gesteuert ist, und jeder, der sich so steuern lässt nur vom dummen Ende der Gesellschaft stammen kann, will ich da auch inhaltlich mal etwas sagen.

Als ich damals in dem Alter war, hat morgens mein Wecker geklingelt. Der hat noch geklingelt, denn ich hatte so einen mechanischen Blechwecker, den man jeden Abend aufziehen musste und der dann morgens nichts anderes tat, als kurz aber heftig entsetzlichen blechernen Lärm zu verursachen. Strom hat er nicht gebraucht. [...] Dann saßen wir in der Schule. Nichts mit Multimedia und so. [...] Wir haben draußen gespielt. Bei mir war das der Altrhein. Wir haben uns da wie Tom Sawyer[wp] und Huckleberry Finn[wp] herumgetrieben, und zwar stromlos und klimaneutral. Elektro­fahrräder und sowas gab's nicht. [...] Internet und Handys und sowas hatten wir nicht. Gab es damals noch nicht. Ich hatte mein erstes Handy mit 30, und mit dem konnte man nichts anderes als Telefonieren, und das wollte man nicht mal, weil zu teuer. Wir haben damals beim Gehen auf den Straßen noch nach vorne gesehen. Heute bekommen Achtjährige einen Heulkrampf, wenn sie während des Unterrichts das Handy weglegen sollen. Oder wenn das Handy nicht auf dem neuesten Stand ist. [...]

Ohne Whatsapp und Facebook geht es natürlich auch nicht, Google und Youtube sowieso, und Fernsehen guckt man nicht mehr über Antenne, Netflix oder sowas muss es schon sein. Und schon vor zehn Jahren hat mir mal ein Schüler erzählt, dass er das gar nicht kennt, Hausaufgaben alleine zu machen. Der sitzt zwar alleine zu hause, ist dabei aber in der Chatgruppe mit seinen Kumpels und tickerten da online jeden Gedankengang durch wie ein Borg-Kollektiv.

Heute müssen sich alle permanent synchronisieren, ständig twittern und schnattern, alles geht nur noch elektronisch. Wir haben damals Mädels noch persönlich angemacht (und die fanden das auch richtig so), heute braucht man Tinder und sowas. Wir haben uns einfach so getroffen, ohne dazu irgendwen zu brauchen. Heute brauchen die mindestens drei Groß­rechen­zentren in Übersee, volle Mobil­funk­abdeckung und Handys mit der Rechen­leistung eines Universitäts­rechen­zentrums von vor 20 Jahren in der Hosentasche, um sich überhaupt zu finden. [...]

Keines der heutigen Kinder macht sich bewusst, dass da eine weltweite und extrem energie­durstige Infrastruktur läuft, um ihre Luxus­bedürfnisse zu erfüllen. Dass ihr Whatsapp und Facebook und Instagram einen irren Aufwand an Routing, Tele­kommunikation, Speicher und Rechen­leistung braucht und da in den Rechen­zentren hundert­tausende von Rechnern unter Vollast arbeiten. Sie kommen sich so cool vor, weil sie mal auf dem Handy wischen, aber sie verstehen nicht, was dahinter steckt. Es heißt bei Pseudo­intellektuellen und Chaos-Verkündern, der Flügelschlag eines Schmetterlings könnte das ganze Klima ändern. Das stimmt nicht. Es ist nicht der Flügelschlag eines Schmetterlings. Es ist das Wischen eines Kindes auf dem Handy.

Neulich ging das so durch die Medien. Unser Fräulein-Wunder Lisa und Lena, mit 20 oder 30 Millionen Followern. Versteht mich nicht falsch, ich finde die toll. Bildhübsch, unglaubliche Mimik-Talente, wie ich schon schrieb. So modern, so die Leichtigkeit, mit der die so ganz locker leicht Karriere machen. Hat irgendwer mal gefragt, welchen Strom­verbrauch und welchen Umwelt­impact zwei 16-jährige Mädels haben, die dann - sorry, so hübsch und lustig sie auch sind - doch nicht mehr machen als Grimassen zu schneiden, und das an 30 Millionen Leute individuell per Internet zugestellt wird? Schon mal so gesehen? [...]

Wir haben eine junge Generation, die einen irrsinnigen und internationalen Versorgungs­aufwand verursacht und erwartet, für die man aus allen Kontinenten der Welt zuliefern muss, um sie zufrieden zu stellen. Arbeit in Fernost, Öl aus dem nahen Osten, Rechen­zentren in Amerika, Land­wirtschaft und Boden­schätze aus Australien und Neuseeland, Müll­entsorgung in Afrika, um der Generation Internet alles zuliefern zu können.

Die schwedische Öko-Kartoffel steht gerade überall in der Presse, weil sie nicht fliegt, sondern mit dem Zug fährt. Aus ökologischen Gründen. Hat das mal irgendwer gegengerechnet, wieviel Energie verbraten wird, um online darüber zu berichten? Würde mich nicht wundern, wenn die ökologisch bessere Variante gewesen wäre, einfach in den Flieger zu steigen und die Klappe zu halten. Wozu wird die überhaupt gerade in die ganze Welt eingeladen, wenn sie doch eh nur vom Blatt abliest? Die lassen sich eine 15-Jährige aus Schweden in die ganze Welt kommen, damit die vom Blatt abliest und sagt, wir sollen die Umwelt schonen? Geht's noch?

Leute, die heute zeitgeistig-modern leben, brauchen die gesamte Erde als Maschine und Infra­struktur, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, und halten sich dann für ökologisch, weil sie "vegan" essen und demonstrieren gehen.

Diese Leute kommen sich so sauber vor, weil sie nie im Dreck, sondern mit dem iPhone gespielt haben und Elektroautos gut finden. Aber letztlich verlagern sie alles nur auf andere, was nichts besser macht, aber zusätzlich Transport­aufwand verursacht. Zu unserer Zeit damals haben manche gegen Kernkraftwerke demonstriert. Man hat sie mit dem Spruch "Wozu Kernkraftwerke? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose!" verspottet. Ganz real war, dass wir unsere Kern­kraft­werke abgeschaltet und dafür dann den Strom aus dem benachbarten Ausland eingekauft haben, wo er auch mit Kern­kraft­werken produziert wurde, die aber viel schlechter kontrolliert wurden.

Früher hat man sich selbst den Lebensunterhalt erarbeitet. Und damit auch gesehen, was man an Dreck so produziert. Heute wollen sie alle bedingungsloses Grundeinkommen. In Form einer sauberen digitalen Überweisung auf das Konto. Der Dreck entsteht woanders, man sieht das dann nicht. Man sagt sich dann, das würden die Maschinen für uns erarbeiten. Maschinen brauchen Energie. Aber man sieht sie nicht.

Man wischt halt drauf rum, aber sieht nie, dass da eine weltweite Maschine dahintersteckt.

Diese dummen, dummen Kinder gehen auf die Straße und demonstrieren gegen die Alten, und sie merken nicht, dass sie selbst am Schlimmsten sind, weil sie schon im Kinder­alter einen Energie­ausstoß haben wie wir damals im Erwachsene­nalter oft nicht, und sie hoffnungslos verzogen und verwöhnt sind. Die haben alle Handys in der Tasche und verabreden sich dann auch per Handy zur Demo.

Und sie kommen sich dabei so toll, so vegan, so sauber, so Opfer anderer Leute vor.

Dumme, dumme Kinder.







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